Rund ums Barfen

1. Gibt es Hunde, die das Barfen nicht vertragen?

Prinzipiell nein. Die immer wieder im Internet zu lesenden Berichte, dass einige Hunde das Barfen nicht vertrügen, sind nichts weiter als Fehlinterpretationen des beobachteten Verhaltens. Es wäre unlogisch anzunehmen, dass ein Tier seine naturgegebene Nahrung, auf die es genetisch abgestimmt ist, nicht verträgt.

Es kann aber vorkommen, dass ein Hund mit Erbrechen oder Durchfall etc. reagiert. Dies hat aber nichts mit „vertragen“ zu tun, sondern ist eine normale physische Reaktion des entwöhnten Organismus. Die vielen individuellen Schädigungen, die durch industrielles Futter verursacht wurden, müssen vorerst behoben oder zumindest auf ein mögliches Minimum gemindert werden. Danach „verträgt“ jeder Hund seine natürliche Kost. Lediglich bei Hunden mit „echten“ Futterunverträglichkeiten muss auch das Rohfutter entsprechend ausgewählt werden.

2. Hunde wurden doch durch Züchtung verändert!

Ja, aber… nicht die inneren Organe!

Der Mensch hat den Hund züchterisch verändert, um ihn an seine Aufgaben anzupassen, z. B. für die Jagd, den Herdentrieb oder als Hüten- und Schlittenhunde. Die Veränderungen beziehen sich auf die Größe, das Fell, bestimmte andere äußere körperliche Merkmale und bestimmte Wesenseigenschaften. Eine Veränderung der inneren Organe, insbesondere des Verdauungssystems war hierfür zu keiner Zeit nötig und auch nicht wünschenswert, denn bis ca. Mitte der 1950er Jahre stand niemandem industrielles Hundefutter zur Verfügung, sondern immer nur rohes Fleisch und die Reste der menschlichen Nahrungsmittel.

Im Übrigen haben wissenschaftliche Untersuchungen an Hunden und Grauwölfen nachgewiesen, dass deren genetischer Unterschied nur 0,2 % beträgt.

3. Kann mein Hund vom Barfen Durchfall bekommen?

Ja und nein.

In der Phase der Umstellung von der Fertig-Fütterung auf Barfen kann es zu ungeformtem Stuhl kommen, dies stellt aber in der Regel keinen Durchfall im Krankheits-Sinn dar.

4. Ich bin Vegetarier. Ist das auch etwas für meinen Hund?

Nein, auf keinen Fall!

Die Übertragung menschlicher Denkweise auf Hunde ist grundverkehrt. Das Verdauungssystem der Hunde ist auf die Verarbeitung von Fleisch eingestellt. Pflanzliche Nahrungsmittel können nur in Vorverdauter Form resorbiert werden. Ein vegetarisch ernährter Hund leidet schweren Mangel. Einen Hund zum Vegetarier zu machen, ist grob fahrlässig. Vegetarische Futtermittel, egal in welcher Form sie angeboten werden, gehören nicht in den Futternapf eines Hundes.

5. Braucht man beim Barfen viele Nahrungsergänzungsmittel?

Nein!

Zwar wird immer wieder das Gegenteil behauptet, aber dies ist nicht so. Wer sein BARF so naturnah wie möglich gestaltet, braucht so gut wie keine Ergänzungen, mit einer Ausnahme: der Hund bezieht einen Großteil seiner Minerale aus den Knochen der Futtertiere. Die für uns erhältlichen Knochen stammen aus der Lebensmittelproduktion des Menschen, also von Tieren, die alles andere als naturgerecht aufgezogen werden. Die Knochen dieser Tiere sind nicht vergleichbar mit denen von Wildtieren, daher ist die Zugabe eines natürlichen Mineralgemischs immer empfehlenswert, z. B. Basis Nährstoffe von ProCalu.

Eine täglich Ernährung/Versorgung mit allen Nähr- und Mineralstoffen ist ohnehin nicht erforderlich, da dies auch nicht der natürlichen Ernährungsweise entspricht. Ein 100%ige Versorgung sollte aber über einen Gesamtzeitraum von ca. 4 bis 6 Wochen gesichert werden.

6. Kann sich mein Hund an Knochen verletzen?

Ja und nein!

Wenn Sie Ihrem Hund rohe Knochen füttern, egal von welchem Tier, außer Schwein, besteht keine größere Gefahr als in der Natur auch, da rohe Knochen nicht splittern. In Verbindung mit Fleisch und Fett gleiten die Knochen gefahrlos durch die Speiseröhre des Hundes in den Magen, wo sie von der aggressiven Magensäure des Hundes aufgelöst werden.

Hunde, die mit Fertigfutter gefüttert werden, können sich allerdings an Knochen verletzen, da ihre Magensäure derart verändert ist, dass das Auflösen der Knochen nicht immer gewährleistet ist.

Erhitzte Knochen niemals verfüttern!

Die Bestandteile von Knochen lassen den Kot des Hundes fester werden – das ist normal.

In der Natur fressen Hundeartige auch nicht jeden Tag Knochen, daher sollten auch bei der Hundefütterung maximal ein bis höchstens zweimal die Woche Knochen in Verbindung mit Fleisch gefüttert werden.

7. Mein Hund frisst Gras. Ist das normal?

Hunde fressen in der Natur Gras oder Ähnliches, um Knochenteile im Verdauungssystem sozusagen „einzuwickeln“.

Das Grasfressen kommt aber auch dann vor, wenn der Hund durch naturferne Fütterung eine veränderte Magensäure aufweist, die zu Beschwerden führt. Vergleichen Sie es mit unserem Griff zur Tablette, wenn wir Sodbrennen haben!

8. Kann mein Hund von Fett dick werden?

Prinzipiell nein!

Hunde beziehen ihre Energie hauptsächlich aus Fetten. Kohlehydrate, sind dafür nur sehr schlecht geeignet. Außerdem sind Fette unerlässlich für den Aufbau gesunder Nerven- und Hirnzellen.

Die Aufnahmemenge wird außerdem vom Appetit des Hundes gesteuert. Nur Mangel leidende Hunde nehmen mehr auf als sie benötigen. Artgerecht ernährte Hunde nehmen nicht mehr Fett auf als sie benötigen.

Nicht Fette machen Hunde fett, sondern Kohlenhydrate!

9. Kann ich mich beim Barfen mit Salmonellen oder anderen Parasiten infizieren?

Ja und nein!

Sie können sich infizieren, wenn sie das Fleisch selbst essen würden. Ansonsten ist die Gefahr kaum höher als bei der Zubereitung Ihrer Grill-Steaks.

10. Ist verdorbenes Fleisch für meinen Hund gefährlich?

Nein!

Alle Hunde sind von Natur aus an Aas angepasst. Der Wolf ist ebenso eine „Gesundheitspolizei“ wie in anderen Gebieten der Erde die Schakale, Kojoten, Hyänen etc. Fleisch, das für Menschen als verdorben gilt, hat auf natürlich ernährte Hunde eher einen positiven Effekt, da die daran befindlichen Zersetzungsbakterien das Verdauungssystem unterstützen. Bei der Verabreichung sollte aber auf entsprechende Hygiene geachtet werden.

11. Kann ich Tiefkühlfleisch bedenkenlos füttern.

Ja, aber …

… das ausschließliche Verfüttern von Tiefkühlfleisch ist kein Barfen. Zwar ist das Fleisch immer noch roh, aber durch die Schockgefrierung gehen bestimmte Bakterien und Enzyme verloren, die der Hund braucht. Außerdem müssen z. B. Pansen und Blättermagen vor dem Gefrieren gereinigt werden, was ebenfalls einen erheblichen Verlust an Natürlichkeit bedeutet. Daher sollte Tiefkühlfleisch immer nur einen Teil der Ernährung ausmachen und der Rest sollte frisch verfüttert werden.

12. Soll ich das Fleisch lieber abkochen?

Nein, auf keinen Fall!

BARF heißt Biologisch artgerechte Rohfütterung, und das aus gutem Grund. Abgekochtes Fleisch verliert erheblich an Vitaminen und Enzymen und ist völlig frei von notwendigen Bakterien.

13. Ist frisches Obst und Gemüse eine sinnvolle Futterbeigabe?

Ja, wenn sie sinnvoll erfolgt.

Wölfe bekommen in der Natur pflanzliche Nahrungsmittel aus den Verdauungsorganen ihrer Beutetiere. Nur in dieser Vorverdauten Form können sie resorbiert werden. Dies kann erreicht werden, indem man das Obst und Gemüse in einem Pürierer so fein wie möglich püriert. Die Menge an pflanzlichen Futtermitteln sollte aber 10 % der Gesamtfuttermenge nicht überschreiten.

Eine Zusammenstellung von geeignetem Obst, Gemüse und geeigneten Kräutern finden Sie im Buch von Dr. med. vet. Vera Biber „Futterprobleme bei Hunden“ .

Grundvoraussetzung für die richtige Verarbeitung der pflanzlichen Nahrungsbestandteile ist aber eine gesunde und intakte Darmflora.

14. Droht beim Barfen auch die Magendrehung?

Im Prinzip nicht.

Die gefürchtete Magendrehung entsteht, wenn die Magenwand und die Magenbänder durch im Magen aufquellendes Trockenfutter überdehnt werden. Bei einem von klein auf gebarften Hund treten diese Probleme jedoch in der Regel nicht auf, da Fleisch nicht quillt und nur die für den Magen zu bewältigende Menge aufgenommen wird.

15. Macht die Rohfleischfütterung meinen Hund blutrünstig und aggressiv?

Nein, im Gegenteil!

Barfende Hundebesitzer berichten immer wieder darüber, dass Ihre Hunde einige Zeit nach der Futterumstellung ruhiger und ausgeglichener geworden sind.

Ein Hund, der durch natürliche Ernährung ausgewogen mit allen Nähr- und Vitalstoffen versorgt ist, braucht nicht hinter allem vermeintlich Fressbaren her zu jagen.

16. Können die vielen Proteine im Fleisch bei meinem Hund zu Leber- und Nierenschäden führen?

Nein!

Zwar wird häufig so argumentiert, aber bei dieser Argumentation wird meist nie unterschieden, dass es für den Hund verwertbare und nicht verwertbare Proteine gibt. Pflanzliche und tierische Proteine sind nicht das Gleiche, sondern Hunde können pflanzliche Proteine so gut wie nicht verarbeiten, tierische Proteine aber zu fast 100 %. Erkennen lässt sich dies z. B. an der deutlich verringerten Kotmenge nach der Umstellung auf Rohfütterung.

17. Kann ich meinem Hund Schweinefleisch füttern?

Nein, auf keinen Fall!

Schweine, egal ob Wild- oder Hausschwein, können mit dem Ayetzki-Virus infiziert sein, das bei Hunden zu tödlichen Krankheitszuständen führt. Auf Schweinefleisch sollten Sie daher generell verzichten.

18. Brauche ich für die Rohfütterung einen Fütterungsplan und Rezepte?

Ja und Nein!

Um am Anfang eine gewisse Sicherheit zu entwickeln, kann ein Futterplan hilfreich sein. Mit der Zeit entwickelt man eine eigene „Routine“ im Füttern und benötigt keine Pläne mehr. Wichtig ist, dass man sich bei der Rohfütterung an einem Beutetier orientiert und innerhalb von 4 – 6 Wochen dieses „nachstellt“, dann ist der Hund rund um versorgt.

19. Warum frisst mein Hund den Kot anderer Hunde?

Hierzu muss man wissen, dass Hunde nicht wie Menschen eine stabile Darmflora besitzen, sondern diese ca. alle 7 Tage auf natürlichem Weg ausstoßen. Die Regeneration der Darmflora erfolgt dann über die Aufnahme mit der Nahrung, z. B. dem Verzehr der Verdauungsorgane der Beutetiere.

20. Mein Hund stinkt. Kommt das vom rohen Fleisch?

Nein… vom Fertigfutter!

Hunde haben wie alle Säugetiere spezielle Entgiftungsorgane, die den Körper reinigen. Dies sind z. B. Leber und Nieren.

Unverwertbare Bestandteile, chemische Zusätze etc. müssen aus dem Körper des Hundes entfernt werden und Leber und Nieren laufen bei fast allen fertiggefütterten Hunden auf Volllast. Oft sind diese Organe aber durch den großen Ansturm unverwertbarer Stoffe überfordert und lagern die nicht entsorgten Stoffe in der Haut und in den Schleimhäuten ab. Haut und Schleimhäute werden somit sozusagen zur „Müllhalde“ des Hundes. Dies äußert sich dann im unangenehmen Geruch der Haut und der Schleimhäute. Ein käseähnlicher Geruch aus den Ohren wird immer wieder von Hundebesitzern erwähnt. Außerdem kommt es zu Juckreiz und der Hund leckt, kratzt oder beißt sich die entsprechenden Hautstellen wund.

Natürliche Hundenahrung riecht zwar stärker als industrielles Futter, dafür riecht aber Ihr Hund nicht mehr!

21. Muss ich einem gebarften Hund die Zähne putzen?

In der Regel nicht.

Die natürliche Ernährung sorgt für sich für eine Zahnreinigung. Belege und Zahnstein werden regelmäßig beim Fressen von Knochen und Knorpel entfernt. Dabei ist es wichtig darauf zu achten, dass der Hund so gefüttert wird, dass er alle Zähne regelmäßig benutzen muss.

22. Mein Hund frisst an manchen Tagen nichts. Muss ich mir Sorgen machen?

Nein!

Wenn Sie bei der Ernährung Ihres Hundes auf Natur umstellen, dann aktiviert sich bei Ihrem Hund sozusagen auch wieder die „Original-Software“.

Alle wild lebenden Hunde ernähren sich in anderer Weise als wir es von uns Menschen kennen. Wird Beute geschlagen oder Aas gefunden, dann fressen die Wildhunde große Mengen, wonach mehrere Tage des Fastens folgen. Der Organismus und das Verdauungssystem sind darauf eingestellt. Auch bei Ihrem gebarten Hund ist das so, dessen Verdauungssystem und Stoffwechsel entgegen oft gelesener Meinungen mit dem der Wildhunde identisch ist.

23. Soll ich meinem Hund, wie es oft empfohlen wird, Milch, Joghurt o. Ä. geben?

Nein!

Milch gehört, außer bei neu geborenen, nicht zum natürlichen Nahrungsspektrum der Säugetiere. Ein Säugetier das nicht mehr von der Mutter gesäugt wird, hat sein Leben lang keinen Kontakt mehr mit Milch.